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Die Alfred-Rexroth-Stiftung

Alfred Rexroth hatte sich lange mit dem Verständnis von Arbeit und einer Erneuerung des Arbeitsbegriffs beschäftigt. Daneben versuchte er diese Gedanken auch praktisch umzusetzen: In seinem Eisenwerk in Lohr ermöglichte er ab 1965 Industriepraktika für Waldorfschüler. Aus diesen Zusammenhängen gründete Alfred Rexroth 1974 zusammen mit seiner Frau Friederike die Rexroth Stiftung für Arbeitsforschung. Sie sollte die Integration von intellektuellen, sozialen und künstlerischen Elementen in neue Ausbildungs- und Arbeitsformen fördern. Anfangs Mitglied im Deutschen Stiftungsverband wurde sie später als Sondervermögen der AGiD (Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland) verwaltet. Das Gründungskapital betrug 1 Million DM. In Zusammenarbeit mit der Gemeinnützigen Treuhandstelle in Bochum (GTS, heute GLS Treuhand) förderte die Stiftung sowohl Forschungsvorhaben zu neuen Arbeits- und Ausbildungsformen als auch Praxisprojekte in Betrieben. Gegen Ende der 80er Jahre war das Sondervermögen aufgebraucht und es wurde aufgelöst.

Die 2006 von der Neuguss und der GLS Treuhand gegründete unselbstständige Alfred-Rexroth-Stiftung mit den Förderzwecken Bildung, Forschung und Kultur möchte diese Intentionen aufgreifen und weiterentwickeln.

Sie fördert Vorhaben:

  • die einen Beitrag zur Gestaltung einer menschenwürdigen Gesellschaft aus den Individualitätskräften des Menschen leisten möchten.
  • die Arbeit als aktive Lebens- und Gesellschaftsgestaltung verstehen und dazu beitragen, Lernen und Arbeiten als Parallelprozesse zu erleben.
  • die Anthroposophie als Vertiefung und Erweiterung der Wissenschaften verstehen.

Die Alfred-Rexroth-Stiftung gewährt Beiträge für Projekte 

  • in Schulen, Hochschulen, Berufsbildungsstätten, Ausbildungsstätten, Einrichtungen und von Menschen, die im Sinne der Stiftungsziele allgemeinbildend oder in einzelnen Lebensbereichen tätig sind oder werden wollen.
  • wie Lehrgänge, Weiterbildungs- und praktische Maßnahmen zur Weiterbildung und Vertiefung von Wissen und praktischen Lebenskenntnissen.
  • in Forschung und Lehre, insbesondere in Bezug auf Zusammenwirken und wechselseitige Durchdringung von Theorie und Praxis, künstlerischer Tätigkeit und Sozialkunst.

Die Anträge werden von der GLS Treuhand e.V. entgegengenommen und bearbeitet. Der Stiftungsvorstand besteht aus folgenden Mitgliedern: Rolf Kerler, Peter Piechotta und Andrea Valdinoci. Förderentscheidungen werden in der Regel am Jahresanfang und an Sommeranfang getroffen. In den letzten Jahren wurden folgende Förderbeiträge vergeben: 70 T€ an vier Initiativen (2009), 95 T€ an fünf Initiativen (2010), 120 T€ an sieben Initiativen (2011).

Förderbeispiele 2011:

Ausgestaltung und Aufbau eines Modellvorhabens für ein Freiwilliges Landwirtschaftliches Jahr auf Öko-Betrieben
Das Berufsbild des Landwirts hat viele Facetten. Neben dem Arbeiten mit Pflanzen und Tieren müssen Landwirte heute mit moderner Technik umzugehen wissen und auch Management- und Verwaltungsaufgaben übernehmen. Um jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in diesem Berufsfeld selbst auszuprobieren, fördert die Alfred-Rexroth-Stiftung ein Projekt der Gemeinnützigen Landbau-Forschungsgesellschaft Sottorf mbH, indem ein Konzept für ein Freiwilliges Landwirtschaftliches Jahr auf Öko-Betrieben erstellt wird. Die Fördersumme beläuft sich bislang auf 12.000 Euro.

Erforschung von Nachhaltigkeitswerten im Geschäftsergebnis (Erweiterung der betriebswirtschaftlichen Auswertung auf ihre sozial-ökologische Aussagefähigkeit).
Bislang erfasst die betriebswirtschaftliche Auswertung in der Landwirtschaft nicht, inwiefern die Betriebstätigkeit zu Lasten oder zu Gunsten von Mensch, Gesellschaft und Umwelt geht. Es macht beispielsweise einen großen Unterschied, ob ein Landwirt seine Gewinne für einen kraftstoffsparenden Traktor oder für ein neues umweltschädliches Pflanzenschutzmittel einsetzt, das Mensch und Natur mehr schadet als nützt. Darum unterstützt die Alfred-Rexroth-Stiftung mit einer Fördersumme von 5.000 Euro ein Forschungsprojekt, welches aufzeigt, wie man die Nachhaltigkeitswerte eines Landwirtschaftsbetriebes im Geschäftsergebnis darstellen kann.

Professur Social Banking an der Alanus Hochschule
Ein besonderes Anliegen Alfred Rexroths war die Förderung ganzheitlicher Bildung. In diesem Sinne fördert die Alfred-Rexroth-Stiftung eine Professur für das Modul „Social Banking and Social Finance“ an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Das Modul wird im Rahmen eines BWL-Studiums im Bachelor- und Masterbereich gelehrt, welches neben klassischen betriebswirtschaftlichen Inhalten auch Aspekte aus Kunst, Kultur- und Geisteswissenschaften mit einbezieht. Die Fördersumme für die Stiftungsprofessur beläuft sich bis Ende des Jahres 2012 insgesamt auf 135.000 Euro.